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Erst ein eingesetztes Objektiv macht eine Kamera voll nutzbar. Eine einfache Kamera mit einem starken Objektiv bildet immer die besseren Bilder ab als umgekehrt, sofern der Fotograf mit seinem Equipment richtig umgehen kann - also zunächst am richtigen Ende sparen!

Aber welche Objektive braucht man?

Antwort: Erstmal nur ein Standardobjektiv - mehr nicht!

Meistens bietet der Kamera-Hersteller preisgünstige Kit's (Body mit Objektiv) an, die nicht immer die beste Qualität aber eine große Benutzungs-möglichkeit bieten - damit fotografieren, viel fotografieren und nur in dieser Zeit bekommt man das erste echte Gefühl, was man tatsächlich als Nächstes braucht. Dann schrittweise die Objektive ergänzen (2 Zooms reichen schon, der Rest wird dann in Form von präzisen Festbrennweiten wachsen). Die Erkenntnis, dass eine Festbrennweite den Wünschen am Besten entspricht, wird schnell kommen.

Argumente: Lichtstärke und Bokeh.   (Hier der Objektivsimulator von Sony).

Die Aussage: "Festbrennweite ist immer besser als Zoom", war früher richtig, ist heute aber einfach nicht mehr wahr. Weder reizen viele oder gar alle heute verfügbaren Objektive 24MP (an APS-C) aus, noch sind preiswerte Festbrennweiten in Sachen Auflösung den modernen Oberklasse-Standard-Zooms überlegen.

In die Abbildungsleistung zählen aber nicht nur die Auflösung des Objektives. Festbrennweiten sind auf bestimmte Brennweiten hin optimiert und haben weniger Flares etc (aufgrund weniger verbauten Linsen). Und man muss nicht immer bis f5.6 abblenden. Von f1.8 abgeblendet auf f2.8 bei einer Festbrennweite ist doch alleine von dieser Tatsache auch gesehen schon zu sehen das sie einen qualitativen Vorteil gegenüber einem Zoom mit Anfangs f2.8 hat. Und Zooms werden auch gegen Ende der Brennweite fast immer schlechter und sind im Weitwinkel Bereich meistens auch schwächer als Festbrennweiten. Aber alleine von der Konstruktion her sollte es klar sein, das eine FB eben abbildungstechnische Vorteile gegenüber einem Zoom haben.

Aber wie oben erwähnt, sind das nicht die einzigen Aspekte die zählen.

APS-C Kameras haben einen kleineren Sensor als der klassische Film. Das ist so als schneidet man von einem Dia außenrum ein Stück ab. Dadurch bekommt man einen anderen Bildeindruck und es erscheint uns, als hätten wir mit einer höheren Brennweite fotografiert (wenn man das Bild am PC wieder gleich groß anschaut). Der Faktor dieser Vergrößerung ist in etwa 1,5. Um die gleichen Bildwinkel zu bekommen wie mit einem 70-210mm an Kleinbild, braucht man lediglich ein 50-130mm Objektiv.


Einfaches Testen eines neuen Objektivs

Objektive sind auf flache Ebenen senkrecht zur Objektivachse berechnet, deshalb werden gerne Testtafeln verwendet. Als Hilfsmittel genügt eine mit Zeitungspapier beklebte Zimmer- oder Hauswand.

Man muss dazu die Kamera genau zentriert zur Testvorlage ausrichten, was mit "Hausmitteln" schon sehr schwierig ist.

Vor allem für Weitwinkelobjektive ist das Testtafelverfahren ungeeignet, da man immer näher an die Testvorlage gehen muss. Weitwinkelobjektive und -Zooms sind aber nicht für den Nahbereich korrigiert (gilt besonders für das SEL2470 Zeiss) und im Nahbereich verfälschen Zentrierfehler schon im Milimeterbereich das Testergebnis, so dass einseitige Randunschärfen etc. fälschlicherweise dem Objektiv zugeschrieben werden.

Besser geeignet sind (zur Kameraachse) flache Objekte im mittleren und fast-Unendlichbereich. Zum Beispiel (detailreiche) Häuserfassaden in der Stadt oder Baumreihen in der Natur. Je weiter das Objekt entfernt ist, desto unkritischer sind Zentrierfehler (bei Unendlich ist der mögliche Zentrierfehler gleich null) und Scharfeinstellung.

Möglichst das gesamte Bildfeld (mit allen Ecken) mit dem Testobjekt füllen. Ein häufiger Fehler liegt darin, dass man bei einer schönen flachen Häuserfassade oder Baumreihe unten im Testbild wieder eine in den Vordergrund zulaufende Wiese oder Strasse hat, die aus der Schärfenzone gelaufen sind.

Kamera/Objektiv:

Objektive immer mit der Kamera testen, mit der sie verwendet werden. Autofokus und Stabi ausschalten. Besonders die "intelligenten" Autofokusprogramme (bei der A7r zb. der "Breitbild-Autofokus") liefern keine konstante Fokussierung und die Stabilisierung beruht technisch auf der künstlichen Dezentrierung des Objektivs (!). Im Kameramenu die "Objektivkorrektur" für Verzeichnung, Helligkeitsabfall und Farbverschiebung" je nach Wunsch ein- oder ausschalten, Ein für mehr "praktische" und Aus für mehr "technische" Testresultate.

Ansonsten wie wohl bekannt: möglichst Stativ verwenden, möglichst schnelle Belichtungszeiten (eher mal ISO hochsetzen bis 400), Blendenvorwahl usw.

Test:

Mit Fokuslupe manuell auf Bildmitte in exakter Bildebene fokussieren. Blendenreihen mit verschiedenen Brennweiten schiessen, JPEG genügen in der Regel.

Alles genau mitschreiben (meine A7r-Exifs zeigen manchmal die falschen Blenden an).

Testauswertung:

Die Testbilder geben Resultate über die generelle Leistung des Objektivtyps und über die Fertigungsfehler (Serienstreuung) des einzelnen Exemplars, leider miteinander verschachtelt. Auch mit visuellen "Hausmitteln" am Monitor kann man auseinanderhalten:

Sind deutliche Schärfeverluste ungleichmässig verteilt zu den Rändern und Ecken festzustellen, liegen (axiale) Dezentrierungsfehler bei der Objektivfertigung vor.

Manche Schärfeasymmetrien sind gering und verschwinden beim Abblenden, dann muss man entscheiden, ob man damit leben kann. Manche bleiben auch beim Abblenden. Tückisch ist: manche Asymmetrien entstehen erst beim Abblenden und werden leicht übersehen, sie sind nur im Vergleich der Blendenreihe erkennbar.

Radiale Dezentrierungen (also Abstandsfehler der Linsen) resultieren in anomaler Bildfeldwölbung und sind mit "Hausmitteln" nicht von der konstruktionseigenen Bildfeldwölbung zu unterscheiden sind (nur durch Vergleich vieler Exemplare).

Kann man (inakzeptable) Fehler durch Serienstreuung wie oben ausschliessen oder diese genau identifizieren, kommt die Beurteilung, ob das Objektiv als solches den Ansprüchen genügt: Wie ist Schärfe bei Offenblende und abgeblendet, Mitten- und Rand-/Eckenschärfe, bei welchen Brennweiten sind Zoomobjektive stärker oder eher schwächer und welches sind meine Prioritäten.

Kontrolle:

Meist bleiben einige Erkenntnisse unsicher und man wiederholt einzelne Test. Asymetrische Unschärfe kann man besser erkennen, wenn man eine zweite Aufnahme mit auf den Kopf gedrehter Kamera macht und gleiche Details direkt mit "guter und schlechter Seite" vergleicht.

Wenn man einmal auf Bildmitte und dann auf Bildecke fokussiert, oder einfach den Fokus über die Bildmitte gezielt nach vorne und hinten leicht verändert, erhält man Infos über die Bildfeldwölbung des Objektivs.

Manche Asymmetriefehler sind tatsächlich keine reinen Unschärfefehler, sondern Fehler anomaler Bildfeldwölbung (man kann dann die unscharfen Bildstellen manuell scharfstellen, aber dann ist das restliche Bild unscharf).

Resultat:

Auch mit "Hausmitteln" sind sehr brauchbare Objektivtests möglich. Meine persönlichen Ergebnisse zu meinem Expemplar SEL2470 will ich dir zum Schluss auch noch präsentieren:

Im Weitwinkelbereich 24-50mm ist das Objektiv auch bei Offenblende sehr gut, nur bei 24mm fällt in den äussersten Ecken die Schärfe ab, Abblenden bis 8 bringt allgemein nur leichte Verbesserungen, die man sonst auch nicht vermisst (nur leider bleiben die Ecken bei 24 mm immer noch etwas unscharf).

Bei 50 mm hat mein Exemplar rechts oben einen leichten Schärfeverlust, der bei Abblenden bis 8 verschwunden ist. Meine genauere Analyse hat ergeben, dass eine leicht unsymmetrische Bildfeldwölbung vorliegt, die ich mit leichter Backfokussierung (Fokus etwas zum Hintergrund) auch bei Offenblende fast schon korrigieren kann.

Zum längeren Telebereich und bei 70mm hat das Objektiv konstruktiv leichte Schwächen: Bei Blende 4 nicht Unschärfe, aber leichte Weichzeichnung, die bei 5,6 fast und 8 völlig verschwunden ist. Eine ideales Objektiv für Portraits bei Offenblende, wenn man so will.

Insgesamt kein völlig perfektes Objektiv und kein völlig fehlerfreies Exemplar, aber ich kenne genau die Stärken und Schwächen und habe Möglichkeiten, sie zu korrigieren. Mehr muss ein Test mit "Hausmitteln" nicht leisten.




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